WDR 3 „Mosaik“, 11.03.2009

Hörfunk-Beitrag von Beate Depping : Mythos WDR 3 Mosaik.mp3 (anklicken)


CD-Tipp März 2009, minnesang.com | 11.03.2009


Keiner, der die Mittelaltermärkte in Deutschland bereist, ist ihnen noch nicht begegnet: Die Rede ist von den Detmolder Spielleuten Duivelspack, bekannt für freches Mundwerk, schönen dreistimmigen Satzgesang und einen mehr als freimütigen Umgang mit der Tradition. Und nun das: ein „musikarchäologisches“ Projekt mit dem hohen Anspruch, sich wissenschaftlich fundiert der Musik der Germanen zu nähern! Würden die drei ihre Lust an derben Späßen, poppigen Chören und jazzigen Harmonien so weit zügeln können, um aus einem Projekt, das eher einem Benjamin Bagby angestanden hätte, keine Lachnummer zu machen? Nun, die drei haben althochdeutsche Aussprache studiert, sich von modernistischen Musikklischees gelöst und Instrumente wie Knochen- und Hornflöten, die posaunenartigen Lyren und die Trossinger Leier (eine Art Harfe) bauen lassen, dazu gibt es viel Getrommel aller Art. Das Ergebnis kommt mal meditativ, mal rhythmisch perkussiv auf ein Album, das mit den fünf Duivelspack-Vorgängern wenig gemein hat: Die drei bewegen sich über weite Stücken wirklich einige Kulturstufen rückwärts und versuchen, den echten Ethno-Sound der alten Germanen neu zu erfinden. Am besten gelingt das bei einer zarten Dreiton-Hymne an „Germania“ und dem durch Ougenweide bekannten Merseburger Zauberspruch über die Walküren, dessen Sprachmelodie allein schon große Musik ist. Der fast schon groteske zweite Merseburger Spruch über das Fohlen mit dem verrenkten Fuß lässt als rhythmischer Sprechgesang Raum für kleine ironische Brechungen, wie sie sich in den abschließenden „Verhaltensregeln“ aus der Edda (einziger hochdeutscher Beitrag) voll entfalten. Das sind die „Spielleut zu Theotmalli“, wie man sie kennt. Ambitioniertester Beitrag und mit 7:32 Minuten längster Beitrag ist das tragische Hildebrandslied, das in seiner streng durchkomponierten Form zwischen Deklamation, dramatischem Dialog, Chor- und Sologesangs-Teilen trotz altem Instrumentarium die kulturelle Rückreise in die Gegenwart antritt und irgendwo zwischen Brecht/Weill, „Bohemian Rhapsody“ und Neuer Musik ankommt. Insgesamt ein außergewöhnliches Album, wie man es von Duivelspack als allerletztes erwartet hätte. Man darf gespannt sein, wie das ganze live umgesetzt wird!


Lippische Landeszeitung, 27.02.2009

Probenbericht und Vorankündigung zur Premiere „Mythos“ Germanen Vorankündigung.pdf


Lippische Landeszeitung, 07.03.2009

Kurzbericht Premiere „Mythos“  Germanen Samstag.pdf


NDR-Info-Hörbuch-Tipp | 03.09.2008

Deutschland hören

Vorgestellt von Christiane Glas




Wer sind wir eigentlich, wir Deutschen? Und vor allem: welche geschichtlichen und kulturellen Ereignisse haben uns geprägt? Antworten auf diese Fragen versucht das Hörbuch "Deutschland hören" zu geben, das gerade im Silberfuchs-Verlag herausgekommen ist. Als neue Folge der klingenden Kulturgeschichten ist es in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt - im Vorfeld des 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit -  erschienen.

"Irgendwann vor etwa 4.000 Jahren. Ein weiser Schmied bearbeitet Bronze. Der glühende Fladen wird auseinandergetrieben, bis er so groß ist wie ein Teller. Und auf dieser schwarzbraun gebrannten Finsternis verteilt der Künstler sehr akkurat 32 funkelnde Punkte aus Gold. Es sind die Sterne am Nachthimmel."

Akustische Reise durch die Kulturgeschichte 

Mit der "Himmelsscheibe von Nebra" beginnt der Sternenkult der Bronzezeit. Und mit ihr die ungewöhnliche akustische Reise durch die Kulturgeschichte der Deutschen. Zwanzig Stationen, von den Germanen bis zur Gegenwart, beschreiben die innere Spaltung unseres Volkes, die regionalen Unterschiede, die religiösen Auseinandersetzungen, die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche.

Ein sinnlicher, unterhaltsamer Streifzug durch die Geschichte soll das Hörbuch sein, so die Autorin Corinna Hesse: "Wie ist ein Land und eine kulturelle Identität gewachsen? Es sind immer sehr ausgewählte Beispiele. Und da müssen natürlich ganz viele sehr bedeutende Künstler auch weggelassen werden. Es soll kein Lexikon sein, sondern es soll dem Hörer vermitteln: Was ist eigentlich das Typische eines Landes, wie fühlt sich dieses Land an?"

Untreu hält Hof und Leute 

Schon etwa um 1.200 beklagt der Wandersänger Walther von der Vogelweide die Gespaltenheit seines Landes. Beeinflusst von der Kunst des französischen Minnesangs, schlüpft er in verschiedene Rollen und widmet sich aktuellen politischen Fragen: "Da dachte ich sorglich lange dem Weltlauf nach und irdischem Heil, doch wurde mir kein Rat zuteil. Untreu hält Hof und Leute, Gewalt fährt aus auf Beute."

Aus den jeweiligen Epochen

Die angenehme, sonore Stimme des Schauspielers Rolf Becker führt durch das gesamte Hörbuch. Musikbeispiele, Texte, Gedichte oder bedeutende Zitate illustrieren die jeweiligen Epochen: Luther und die Reformationszeit, Kants "Kritik der reinen Vernunft", das "Kommunistische Manifest" oder Heinrich Manns Satire "Der Untertan".

Sein patriotischer Protagonist Diederich Hessling spricht schon am Vorabend des ersten Weltkriegs Sätze aus, die zwei Jahrzehnte später das Schicksal vieler Deutscher bestimmen sollten: "Die Seele des deutschen Wesens ist die Verehrung der Macht. Die vaterlandslosen Feinde der göttlichen Weltordnung aber, die unsere stattliche Ordnung untergraben wollen, die sind auszurotten bis auf den letzten Stumpf."

In "Deutschland hören" geht es um Kontraste, die dieses Volk geprägt haben. Es beschreibt sehr anschaulich, wie sich Kunst und Künstler immer wieder gegen die jeweilige Obrigkeit aufgelehnt haben: wie zum Beispiel Günter Grass mit seinem Roman "Die Blechtrommel": "Es war einmal ein Blechtrommler. Der hieß Oskar. Als man ihm den Spielzeughändler nahm und des Spielzeughändlers Laden verwüstete, ahnte er, dass sich gnomhaften Blechtrommlern, wie er einer war, Notzeiten ankündigten." Keine leichte Kost für zwischendurch 

"Deutschland hören" ist keine leichte Kost für zwischendurch. Man muss sich wirklich einlassen auf die einzelnen Epochen und genau zuhören. Die Beispiele sind aber gut gewählt und die Kulturgeschichte der Deutschen zu hören ist auf jeden Fall unterhaltsamer als sie in dicken Geschichtswälzern nachzulesen.


Lippische Landeszeitung, 28.07.2008

Mittelalterliches zum 100.

Duivelspack beim Heimatbund

Die Gäste erschienen zahlreich und bereuten nicht, statt dessen nicht in den Biergarten gegangen zu sein. Musicus Varus (Daniel Wahren), Arnulf der Puster (Arne Heger) und Marquard, der Lindenbaum (Marcus Linnemann) spielten, sangen und witzelten zwei Stunden lang und präsentierten das neueste Liedgut von ihrer CD "Mal den Teufel an die Wand". Mittelalterliche Sauf- und Rauflieder waren es, die dem Publikum diebisch Spaß machten, denn die drei Musiker verstanden es, mit Wortwitz und charmanter Derbheit zu amüsieren. Zarte Ironie war ebenso zu finden wie der Hieb mit dem Holzhammer. Genauso vielschichtig zeigte sich die Musik. Wie Teufelskerle fidelten, bliesen und zupften die drei ihre insgesamt zehn Instrumente, bis ihnen der Schweiß lief, um dann sich selbst und dem Publikum eine romantische Pause mit schönen Balladen zu gönnen. Die Setlist, oder stilecht der Liederreigen, war äußerst unterhaltsam und amüsant, und wer bei "mittelalterlich" an zarten Minnegesang á la Walther von der Vogelweide dachte, lag glücklicherweise falsch. "Unsere Lieder sind lediglich mittelalterlich inspiriert", erklärte Arne Heger. Der Kreativität kam das zugute. Die drei Musikanten schütteten mit Wonne einen Eimer Spott über die Lipper, indem sie stellvertretend Bauer Piepenkötter besangen, präsentierten ohne rot zu werden das "Stille-Örtchen-Lied" (so der leserfreundliche Titel) und demonstrierten die dort vielfach ausgeübte Tätigkeit pantomimisch. Vor allem jedoch besangen sie sehr gern die Wonnen des Alkoholgenusses und die Vorteile des Strohwitwer-Daseins. Zudem hörten die Gäste das Ergebnis der durchaus interessanten Überlegung, ob es im Mittelalter wohl Vegetarier gegeben habe. Die Quintessenz präsentierten die Drei mit dem Lied "Ich will Fleisch!" Die Zuhörer hatten ihren Spaß und forderten eine Zugabe. Dennoch hatte Arne Heger, der als Animateur hohe Qualität bewies, Mühe, die Gäste zu Mitmachen zu bewegen, die damit möglicherweise Stoff für die nächsten Liedertexte lieferten. "Duivelspack" begeistern nicht nur hierzulande, sondern auch bei ihren vielen Auftritten anderswo, und so konnten die drei Detmolder eine Delegation ihres Solinger Fanclubs begrüßen.

 

Lippische Landeszeitung  16.07.2008

Zurück in die Eisenzeit
Trio "Duivelspack" mit neuem musikalischen Projekt

Detmold. Das Detmolder Musiker-Trio "Duivelspack" . arbeitet an einem Programm mit germanischer Musik aus der Eisenzeit. In Zusammenarbeit mit Sprachwissenschaftlern der Uni Bielefeld und verschiedenen Instrumentenbauern, die Horn- und Knochenflöten, eine Lyra, Luren und Tontrommeln für das Ensemble bauen, entwickeln Arne Heger, Daniel Wahren und Marcus Linnemann bis 2009 ein Programm, das sich mit der Musik und den Instrumenten der Germanen zu Zeiten der Varusschlacht befasst. "Der Versuch, 2000 Jahre alte Töne und Melodien auf diese Art zu rekonstruieren, ist in ganz Deutschland einzigartig", berichten die Drei. Und dieser Versuch hat auch Hörbuchautorin und -produzentin Corinna Hesse vom Silberfuchs-Verlag in Hamburg auf den Plan gerufen. Sie war auf der Suche nach Musikern, die für ihre Produktion "Deutschland hören", dem ersten Hörbuch, das die deutsche Kulturgeschichte von den Sagen und Mythen bis in die Gegenwart vorstellt, Musik der Germanen aus der Eisenzeit zur Verfügung stellen können. Die drei Detmolder können - und waren auch schon im Studio, um die Musik aufzunehmen, die die frühgeschichtlichen Teile des Hörbuches untermalen soll. Mit dem Sternenkult der Bronzezeit bis hin zu den Merseburger Zaubersprüchen will das Trio die Fantasie der Hörer in die Zeit der Germanen und damit die Anfänge der deutschen Geschichte lenken. Die CD soll am 3. Oktober erscheinen. Unterstützt wird die Produktion vom Goethe-Institut und dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik, das Vorwort liefert ein weiterer Lipper: Außenminister Frank Walter Steinmeier. Gelesen wird das Hörbuch von dem bekannten Schauspieler Rolf Becker. Heger, Wahren und Linnemann werten "Deutschland hören" als weiteren Beweis dafür, dass sie mit ihrem musikalischen Projekt für das Jubiläumsjahr 2009 unberührtes Terrain betreten. "Das fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit alten Tönen", betonen sie. "Deutschland hören" soll 2009 als Bühnenprogramm ein archaisches Musikerlebnis bieten, das mit Rekonstruktionen über 2000 Jahre alter Instrumente heute unwirklich und anders erscheint. "Ein Erlebnis, das durch seine Einfachheit fasziniert", so das Trio. "Klänge aus einer untergegangenen Kultur, Klänge aus der deutschen Geschichte."

 

Lippe Aktuell 12.07.2008

Lippische Musiker arbeiten mit am “Deutschlandhörbuch”

“Duivelspack” rekonstruiert 2000 Jahre alte Töne

Warum nicht mal was anderes tun, als immer nur dasselbe? Etwas Ungewöhnliches machen und damit längst vergessenes zum Leben erwecken…das ist der Gedanke, den das Detmolder Musiker-Trio „Duivelspack“ hatte, als es sich vor knapp eineinhalb Jahren an ein besonderes Musikprojekt heranwagte. Arne Heger, Daniel Wahren und Marcus Linnemann arbeiten an einem Programm mit germanischer Musik aus der Eisenzeit. In enger Zusammenarbeit mit Sprachwissenschaftlern der Universität Bielefeld und verschiedenen Instrumentenbauern (bauen unter anderem Horn- und Knochenflöten, eine Lyra, Luren, Tontrommeln, etc. für das Ensemble) entsteht bis 2009 ein Programm, das sich mit der Musik und den Instrumenten der Germanen zu Zeiten der Varusschlacht befasst. Keine leichte Aufgabe:

Der Versuch, 2000 Jahre alte Töne und Melodien auf diese Art zu rekonstruieren, ist in ganz Deutschland einzigartig. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass vor kurzem das Telefon in Detmold klingelte. Hörbuchautorin und -produzentin Corinna Hesse vom Silberfuchs-Verlag in Hamburg war auf der Suche nach Musikern, die für eine neue Hörbuch-CD Musik der Germanen aus der Eisenzeit zur Verfügung stellen können. Die drei Detmolder können.Die CD soll rechtzeitig zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober erscheinen. 2008 hat die Hansestadt Hamburg den Vorsitz im Bundesrat und ist damit Veranstalter der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit. Der Senat plant ein drei Tage währendes Kultur- und Bürgerfest in der Hafencity zum Thema "Kulturnation Deutschland". Der Silberfuchs-Verlag leistet einen Beitrag zu den Feierlichkeiten mit dem Hörbuch "Deutschland hören", dem ersten Hörbuch, das die deutsche Kulturgeschichte von den Sagen und Mythen bis in die Gegenwart vorstellt - mit zahlreichen Musikbeispielen.

Und da kommt das Detmolder Trio ins Spiel. Die drei Musiker waren vergangene Woche im Studio, um kurzerhand die Musik aufzunehmen, die die frühgeschichtlichen Teile des Hörbuches untermalen sollen. Vom Sternenkult der Bronzezeit, bis hin zu den Merseburger Zaubersprüchen und dem Hildebrandslied hat das Duivelspack nach Aussage der Produzentin aus Hamburg genau den richtigen Ton getroffen, um die Phantasie des Zuhörers in die Zeit der Germanen und damit die Anfänge der deutschen Geschichte zu lenken.

Unterstützt wird die Hörbuch-Produktion vom Goethe-Institut und dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland, das Vorwort liefert ein weiterer Detmolder: Außenminister Frank Walter Steinmeier. Gelesen wird das Hörbuch von dem bekannten Schauspieler Rolf Becker, der in  großen Theater- und Literaturverfilmungen, von Goethes »Egmont« bis Schillers »Don Carlos« spielte. Zu seinen bekanntesten Kinofilmen gehört Schlöndorffs Böll-Verfilmung »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«. Nachdem Rolf Becker 1999 mit seinem Sohn Ben im Spielfilm »Gloomy Sunday« zu sehen war, spielten er und seine Tochter Meret in »Heinrich der Säger« (2001) erstmals zusammen die Hauptrollen.

„Deutschland hören“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass Heger, Wahren und Linnemann mit ihrem musikalischen Projekt für das Jubiläumsjahr 2009 absolut unberührtes Terrain betreten. Das fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit der Rekonstruktion alter Töne. Wie die drei Musiker das umgesetzt haben, ist ab Oktober in dem Hörbuch „Deutschland hören“ zu erleben und wird 2009 als Bühnenprogramm ein archaisch-einzigartiges Musikerlebnis bieten, das mit einfachen Mitteln, nämlich mit Rekonstruktionen über 2000 Jahre alter Instrumente, heute unwirklich und anders erscheint. Ein Erlebnis, das durch seine Einfachheit fasziniert und begeistert. Klänge aus einer lang untergegangenen Kultur, Klänge aus der deutschen Geschichte.