GERMANEN/PAGAN FOLK


Germanische Musik

Wir haben zwei Jahre an einem „germanischen“ Musikprogramm gearbeitet. Zusammen mit dem Literaturgeschichtler und Germanisten Prof. Dr. Meinolf Schumacher und Jörn Wehmeier von der Universität Bielefeld, der Alt-Isländisch-Expertin Kendra Taktak sowie verschiedenen Instrumentenbauern und musikarchäologischen Hinweisen ist ein Programm entstanden, dass sich als Rekonstruktionsversuch mit der Musik und den Instrumenten, aber auch der Sprache  der germanischen Stämme befasst. Im März 2009 haben wir unter großem Medieninteresse sowohl die CD, als auch das Bühnenprogramm im Lippischen Landesmuseum in Detmold präsentiert.


Ein einzigartiges Projekt

Warum machen wir ein möglichst authentisches Programm mit wissenschaftlicher Unterstützung und Musik der Germanen? Unser Fiedler Daniel Wahren bietet seit geraumer Zeit “germanische Rundgänge” am Hermannsdenkmal in Detmold-Hiddesen an. Das Denkmal erinnert an den Cheruskerfürsten Arminius und an die Varusschlacht. Parallel dazu hat Duivelspack-Sänger Arne Heger schon 2004 die Idee verfolgt, ein musikalisches Theaterstück über das Leben und Sterben des Arminius zu schreiben. Nach ausführlicher Recherche waren erste Szenen schnell zu Papier gebracht. Von beiden kam die Idee, zum 2000. Jubiläum der Schlacht Konzerte zu veranstalten, die die Kultur und das Leben der Germanen zum Inhalt haben sollten. Am Anfang dieses Deutschland weit einzigartigen Projektes stand viel Recherche und Papierkram, denn eines ist klar: Kein Mensch kann mit Sicherheit sagen, wie die Musik in dieser Zeit geklungen hat und so ist auch dieses Projekt nur eine Annäherung.

Nachweisbar sind die Instrumente, die von den Germanen gespielt wurden. In der Musikarchäologie gibt es dazu gutes Material, das aus zahlreichen Funden herrührt. Gemeinsam mit Instrumentenbauern sind Rekonstruktionen der Funde angefertigt worden. (die „Trossinger-Leier“, eine Lure, Signalhörner, Knochen- und Hornflöten, verschiedene Trommeln mit tönernem Korpus, Rahmentrommeln, etc.) Damit ist klar, womit die Germanen ihre Klänge erzeugt haben. Es bleibt unsere Interpretation, wie das geklungen haben kann.

Ebenfalls nachweisbar ist die Sprache, in der sie miteinander geredet haben. Ähnlich wie bei den Instrumenten gibt es nur noch wenige niedergeschriebene Textfragmente. Zusammen mit Prof. Dr. Schumacher und Jörn Wehmeier von der Uni Bielefeld und der Alt-Isländisch-Expertin Kendra Taktak haben wir im vergangenen Jahr die korrekte Aussprache des Althochdeutschen und des Altisländischen erarbeitet. Dieser Arbeit liegen die bekannten Textfragmente des Hildebrandslieds, die Merseburger Zaubersprüche und die altisländische Lieder-Edda zu Grunde. Die korrekte Aussprache des Althochdeutschen/Altisländischen bildet in der von uns erarbeiteten Musik einen wesentlichen Bestandteil, denn allein der Klang der Sprache ist wahrscheinlich die heute authentischste Musik aus jener Zeit.

Das Programm ist besonders, weil kaum jemand zuvor versucht hat, sich der Zeit vom Jahr 0 bis etwa 500 n. Chr. musikalisch so intensiv zu nähern. Während die Hochkulturen der Römer, Griechen – ja sogar Ägypter – unzählige Bilder und Schriften hinterlassen haben, gibt es von den germanischen Stämmen so gut wie kein Material und so ist über ihre Musik fast nichts bekannt. Es blieb nur der Weg über indirekte Quellen und Vergleichsmethoden: Die römischen Geschichtsschreiber, allen voran Publius Cornelius Tacitus (*um 58; † nach 116), erwähnen die germanischen Bräuche und Rituale in Religion, Thingversammlung und Gelagen. In der „Germania“ schreibt Tacitus im Jahre 98 n. Chr.:

„In alten Liedern, der einzigen Art ihrer geschichtlichen Überlieferung, feiern die Germanen Tuisto, einen erdentsprossenen Gott (....) Sie glauben, dass es der Hoheit der himmlischen nicht gemäß sei, Götter in Wände (Tempel!!)  einzuschließen oder irgendwie der menschlichen Gestalt nachzubilden. (...) Sie halten den Gesang weniger für Stimmenschall als für den Zusammenklang ihrer Kampfeskraft.“

Die christlichen Mönche des Mittelalters hielten vereinzelte Heldengedichte und Zaubersprüche am Rand oder auf den Rückseiten christlicher Schriften fest. So wurden die Merseburger Zaubersprüche oder das Hildebrandslied bruchstückhaft überliefert. Weitere Quelle nordischer Mythologie und alter Heldenlieder ist in unserem Programm die Lieder-Edda, eine Sammlung alter nordischer Dichtung verschiedener unbekannter Autoren. Diese Texte geben einen letzten Eindruck der archaischen Kraft der „heidnischen“ europäischen Kultur. Die germanischen Stämme glaubten an viele Götter und die Belebtheit der Natur. Für PriesterInnen und Magier war Musik zum Erreichen von Trancezuständen unentbehrlich. Bis in die heutige Zeit verwenden verschiedene Kulturen zur Meditation kleine einprägsame Verse oder Melodien (Rosenkranz, Liturgie, Mantren, Schamanismus). Die germanischen Stämme befanden sich bis zur Christianisierung (und damit der Einführung der Schrift) auf einer niedrigen Kulturstufe. Das Tonmaterial einfacher Kulturen ist bis heute bei indigenen Völkern auf der pentatonischen (5 Töne) oder der tetratonischen (3 Töne) Tonleiter aufgebaut. Erste Versuche mit der diatonischen Siebentonleiter tasten sich häufig vom Grundton aus herauf.  Diese Entwicklungsschritte findet man auch bei Kindern: „Backe, backe Kuchen“ besteht aus drei Tönen.  „Alle meine Entchen“ und „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ entstehen durch das Aufwärts spielen vom Grundton aus. Aus diesem Wissen um das Tonmaterial, kombiniert mit den Bruchstücken alter Texte und der altnordischen Überlieferung, mit Nachbauten alter Instrumente, sowie dem Vergleich mit heutigen schamanischen und meditativen Ritualen wagen wir den Versuch, die Musik der Germanen zu rekonstruieren.


Das Hörbuch

Zum Tag der deutschen Einheit 2008 ist ein Hörbuch im Silberfuchs-Verlag in Hamburg erschienen, das 2000 Jahre deutsche Geschichte in Text und Musik in 80 Minuten zusammenfasst. „Deutschland hören“ wird von dem bekannten deutschen Schauspieler Rolf Becker gesprochen und das Duivelspack steuert die Musik für die frühen Phasen unserer Geschichte vom Sternenkult der Bronzezeit, bis zu Karl dem Großen bei. Wir sind froh, dabei gewesen zu sein, ist die Produktion des Hörbuches doch vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt worden und mit einem Vorwort unseres Außenministers Dr. Frank Walter Steinmeier versehen. Mittlerweile war es nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis und hat den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik bekommen. Außerdem soll es in weitere sieben Sprachen übersetzt werden, Englisch und Spanisch sind bereits erschienen. (www.silberfuchs-verlag.de)


Mara und der Feuerbringer

Der Filmemacher, Autor, Bernd das Brot-Erfinder und Grimme-Preisträger Tommy Krappweis hat eine Fantasy-Buch-Trilogie mit Namen „Mara und der Feuerbringer“ geschrieben. Während er schrieb, hat er unsere CD „Mythos Hildebrandslied“ rauf und runter gehört und sich von unseren Klängen inspirieren lassen. Der erste Teil der Buchtrilogie ist für das Kino verfilmt worden, mit großartigen Schauspielern: Jan-Josef Liefers, Christoph Maria Herbst, Esther Schweins, Eva Habermann, u.v.m. (http://maraundderfeuerbringer.com)


Im Abspann des Films springen wir drei vom Duivelspack herum und singen mit bei der Hymne „Ein echter wahrer Held“.